Die Comeniusfeier zum dreihundertsten Geburtstag in MĂŒnchen im Jahr 1892

Bernhard Josef Stalla

 

„Die Comenius-Feier zum 300. Geburtstag 1892 in MĂŒnchen „Am 28. MĂ€rz 1892 wird von den SchulmĂ€nnern der ganzen gebildeten Welt, und nicht bloß von diesen, der 300jĂ€hrige Geburtstag eines Mannes festlich begangen werden, der einst Jahrzehnte lang durch seine Taten wie durch seine Leiden die allgemeinste Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat…“ 1.

 

1. Zielsetzung und Inhalte der Comenius-Feier 1892

 

Die Erinnerung an das Leben, Werk und Wirken des Johann Amos Comenius besteht kontinuierlich bis in die heutige Zeit. 2.
Die Erinnerung an den Theologen, Philosophen und PĂ€dagogen Comenius wurde durch Festversammlungen vor allem zum Jahrtag seines 300. Geburtstags nicht nur in Deutschland, sondern weltweit gewĂŒrdigt und lebendig gehalten. Werner Korthaase berichtet in seinem Buch Die Berliner internationale Comenius-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft und Volkserziehung (1891–1934) von der Initiative zur Feier des 300. Geburtstages von Comenius. „Im Juni 1891 erschien in der ,Leipziger Illustrierten Zeitung‘, der MĂŒnchener ,Allgemeinen Zeitung‘, der ,National-Zeitung‘, der ,TĂ€glichen Rundschau‘ und im ,Literarischen Zentralblatt‘ ein ,Aufruf zur Feier des 300jĂ€hrigen Geburtstages des Johann Amos Comenius‘ mit der AnkĂŒndigung der bevorstehenden GrĂŒndung einer ,Comenius-Gesellschaft‘, deren Programm sein soll, ,das VerstĂ€ndnis des großen Mannes nicht bloß den Gelehrten, sondern dem gegenwĂ€rtigen Geschlecht ĂŒberhaupt durch Schrift und Rede zu erschließen‘. Den Aufruf hatten bereits 246 Persönlichkeiten des wissenschaftlichen und kulturellen Lebens aus vierzehn LĂ€ndern unterzeichnet. Er erschien in deutscher, französischer, englischer, tschechischer und ungarischer Sprache in insgesamt 20.000 Exemplaren. Auch in Böhmen und MĂ€hren wurde die GrĂŒndung angezeigt.“ 3. Dieser Aufruf wurde auch im ersten Band der „Monatsheften der Comenius-Gesellschaft“ abgedruckt, darin wird die Aufforderung zur Abhaltung von Gedenkveranstaltungen und Erinnerungsfeiern vor allem mit den persönlichen Leistungen von Comenius als Theologe, Philosoph und PĂ€dagoge aus internationalem Blickwinkel gewĂŒrdigt. „Aufruf zur Feier des 300jĂ€hrigen Geburtstages des Johann Amos Comenius am 28. MĂ€rz 1892. Ausgedehnte Vorbesprechungen haben ergeben, dass wir einem weitverbreiteten Wunsche entgegenkommen, wenn wir, wie es hiermit geschieht, die Aufforderung erlassen, den 300jĂ€hrigen Geburtstag des Amos Comenius am 28. MĂ€rz 1892 durch eine Erinnerungsfeier auszuzeichnen. In MĂ€hren geboren, unter Tschechen, Deutschen, EnglĂ€ndern, HollĂ€ndern, Schweden und Ungarn wirkend, mit Franzosen und Italienern befreundet, hat er durch seine Denken wie durch sein Leben sich eine universelle Bedeutung erworben. Als Philosoph und Gottesgelehrter hat er im Bund mit MĂ€nnern wie Andreae, Duraeus, Milton u. a.Â ïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒsein Leben einem Friedenswerk gewidmet; indem er das ‚Heil der Menschheit (wie er sagte) höher stellte, als das Ansehen der Sprachen, der Personen und der Sekten‘, war sein BemĂŒhen allezeit dahin gerichtet, die streitenden Kirchen, Völker und StĂ€nde von gewaltsamer Austragung der GegensĂ€tze zurĂŒckzuhalten und sie auf dem Grund altchristlicher Weltanschauung zu Frieden und Versöhnung zu leiten. Als Schulmann hat er, angeregt durch Baco, den Erfahrungswissenschaften in den „Lateinschulen, die er vorfand, ihr Recht erkĂ€mpft, die Muttersprache in den Kreis der UnterrichtsgegenstĂ€nde eingefĂŒhrt und den Gedanken der Körperbildung in den Begriff der Schule aufgenommen. Durch die Forderung der Schulbildung fĂŒr die gesamte Jugend, mit Einschluss des bisher zurĂŒckgesetzten weiblichen Geschlechts, ist er einer der VĂ€ter unserer Volksschule geworden.“ 4.  Werner Korthaase berichtet ĂŒber die internationale Ausrichtung der Comenius-Feiern zum dreihundertsten Geburtstag und berĂŒcksichtigt dabei vor allem die wichtigsten deutschen, österreich- ungarischen und tschechischen Comenius-Feiern. „In der Österreich-ungarischen Doppelmonarchie verhinderten Staatsraison und konfessionelle Überlegungen Comenius-Feiern in den Schulen. Die in Berlin erscheinende ,Vossische Zeitung‘ teilte ihren Lesern dagegen mit, daß die Deutschen dem ,großen Tschechen‘ in diesen Tagen die meiste ‚Anerkennung‘ zollen wĂŒrden. Als wenige Jahre spĂ€ter, 1897, des 400. Geburstages des Philipp Melanchthon zu gedenken war – welches Datum kaum beachtet wurde – kritisierte Max Lenz in den ,Preußischen JahrbĂŒchern‘, daß die preußische Regierung nicht genug fĂŒr Melanchthon veranlaßt habe, dagegen fĂŒr Comenius einen ,ganzen Apparat in Szene‘ gesetzt hĂ€tte. Daß Comenius im Deutschen Reich ,die meiste‘ Anerkennung gezollt wurde war richtig hinsichtlich der allgemeinen Anerkennung und der amtlichen UnterstĂŒtzung der Feiern. Aber in Böhmen und MĂ€hren verehrte man den ,Landsmann‘, den ,Patrioten‘, den ,ErzpĂ€dagogen‘, den ,VelikĂĄn‘ (Riesen), den ,Lehrer der Völker‘ noch enthusiastischer, weil der nationale Stolz hinzukam. In der Berliner ,Philharmonie‘ versammelten sich Tausende, um das von Paul Risch verfaßte Festspiel ,Comenius‘ zu erleben. Vor dem Nationaltheater in Prag herrsche ein solcher Andrang, dass die Direktion eine Wiederholung ansetzte ,in ganz unverĂ€nderter Weise‘: Gespielt wird die dramatische Ouverture „Komensky“ von Z. Fibich. Hierauf gelangt der von Jaroslav VrchlickĂœ verfaßte Prolog durch Herrn Seifert zum Vortrage, und wird ein lebendes Bild: ,KomenskĂœ als Lehrer der Nation‘ arrangiert. Sodann gelangt die symphonische Dichtung ‚BlanĂ­k‘ von Smetana und das Festspiel ‚Věơtba KomenskĂ©ho‘ von S. PelĂ­ĆĄek zur AuffĂŒhrung. Zwischen diesen einzelnen Piecen gelangt noch die dramatische Ouverture ‚Husitská‘ von Dr. Anton Dvoƙák zur Exekutierung.“ 5. Einen erweiterten Bericht ĂŒber den Ablauf der Comenius-Feiern zum 300. GeburtstagsjubilĂ€um in Prag ermöglicht Marta BečkovĂĄ. „Die Feiern zum 300. GeburtstagsjubilĂ€um J. A. KomenskĂœs i. J. 1892 nahmen ganz ausserordentliche Bedeutung und bis dahin ungeahnte Dimensionen an. Dazu trug sicherlich auch die gĂŒnstige AtmosphĂ€re der neunziger Jahre bei, die im tschechischen politischen und kulturellen Leben eine Zeit gesteigerter AktivitĂ€t darstellen. Die Feiern hatten in ihrem breiteren Ausmass patriotisch-nationalen Charakter und wurden in den böhmischen LĂ€ndern vorwiegend von den Lehrern organisiert, die in einigen Vereinen zusammengeschlossen waren und ĂŒber mehr als zehn Zeitschriften verfĂŒgten, die uns auch die Vorbereitungen und den Verlauf der Feiern und der damaligen AtmosphĂ€re vermitteln. Der JubilĂ€umstag, – der 28. MĂ€rz – fiel i. J. 1892 auf einen Montag und die Schulen sollten frei haben. Das k.k. PrĂ€sidium der Statthalterei bewilligte dies jedoch mit Erlass vom 6. III. 1892 nicht und vom Ministerium fĂŒr Kultus und Unterricht unter Gautsch wurden die KomenskĂœ-Feiern ïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒan den Volks- und BĂŒrgerschulen verboten. Dieses Verbot löste eine Reihe von Protesten aus (beim Reichsrat brachten die Abgeordneten T. G. Masaryk und J. ĆœĂĄÄek eine Interpellation ein, Anfragen wurden auch im böhmischen und mĂ€hrischen Landtag erhoben). Kein Ergebnis zeitigte auch eine Berufung an den Schulrat, in dessen Kompetenz die Bewilligung von drei Ferialtagen lag. Die vom Komitee fĂŒr die J.A. KomenskĂœ-Feier veranstalteten Hauptfeiern fanden in Prag vom 26. – 28. MĂ€rz statt und enthielten vor allem ein Kulturprogramm. Daran beteiligten sich persönlich oder mit ihren Werken fĂŒhrende tschechische KĂŒnstler (J. VrchlickĂœ, Z. Fibich, E. KrĂĄsnohorskĂĄ, K.V. Rais u.a.) Am letzten Tag wurde eine grosse KomenskĂœ-Ausstellung im Museum des Königreiches Böhmen (heute Nationalmuseum) in Prag eröffnet. Diesen Feiern gingt eine Tagung der Böhmischen Akademie fĂŒr Wissenschaften, Literatur und KĂŒnste voraus, bei der der Vorsitzende der Akademie J. HlĂĄvka und ausserdem J. DurdĂ­k und K. Tieftrunk eine Ansprache hielten. Bei der ausserordentlichen Sitzung des Prager Stadtrats hielt der BĂŒrgermeister J. Ć olc eine pathetische Rede ĂŒber KomenskĂœ. Eigene Feiern veranstalteten die Lehrervereine und zahlreiche weitere Institutionen.“6.  Die Berichte ĂŒber die Comenius-Feiern, wurden zumeist in den örtlichen Tageszeitungen abgedruckt, die Festreden veröffentlicht. Die Initiative zum feierlichen Begehen des 300. Geburtstages von Johann Amos Comenius wurde im Jahr 1892 vor allem von den Lehrerkollegien, Lehranstalten und Einrichtungen der Lehrerausbildung, Seminarschulen, Unterrichts- und Lehranstalten, SchulĂ€mtern, BerufsverbĂ€nden des Lehrerstandes und Lehrervereinen gefördert. Die Festredner waren zumeist SchulrĂ€te, Seminarleiter und Schuldirektoren. Die Vorbereitung der Festversammlungen und die AusfĂŒhrung der Comenius-Feiern, blieb den jeweiligen Veranstaltern vor Ort vorbehalten. Die Bedeutung der Comenius-Feier, zur vertieften BeschĂ€ftigung mit dem Leben, Werk und Wirken von Johann Amos Comenius, wird ebenso deutlich in einem Bericht der Bayerischen Lehrerzeitung 7., die den Nachweis ĂŒber die Abhaltung von Comenius-Feiern in SĂŒddeutschland erbringt und ein wichtiges Dokument darstellt. „Comenius-Feier. Der 300. Geburtstag des großen PĂ€dagogen und Volksfreundes Comenius wurde allenthalben im Lande, wie sich’s gehört, festlich begangen. Verschiedene Festberichte liegen uns vor; da wir sie aber nicht alle bringen können, mĂŒssen wir uns und die Herren Berichterstatter sich damit begnĂŒgen lassen, daß wir dieselben kurz registrieren. Je nach den örtlichen VerhĂ€ltnissen war der Rahmen, innerhalb dessen sich die Festlichkeiten abwickelten, ein engerer oder weiterer.“ 8.  Im Bericht der Bayerischen Lehrerzeitung wird eigenes auf die Comeniusfeier in MĂŒnchen hingewiesen und eine Wertung der Veranstaltung mit dem Urteil „die Comenius-Feier scheint besonders prĂ€chtig ausgefallen zu sein“ vorgenommen und damit die Bewertung dieser Comenius- Festversammlung ermöglicht. „Besonders prĂ€chtig scheint dieselbe in MĂŒnchen ausgefallen zu sein, wo Schulrat Dr. Rohleder 9. die Festrede hielt und lebende Bilder und GesĂ€nge des Lehrergesangsvereins und Lehrerinnen-Singchors zur Verherrlichung des Festes beitrugen.“ 10.
ïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒFĂŒr die Comenius-Feiern wurden eigens Festspiele 11., TheaterstĂŒcke 12. und dramatische Darstellungen 13.  geschaffen, die der Comenius einen besonderen Charakter verleihen sollten und als Inszenierungen des Leben, Werk und Wirkens des tschechischen Gelehrten Johann Amos Comenius die Festveranstaltungen zu seinem 300. Geburtstag anschaulich gestalten und lebendig machen sollten. Der Schwerpunkt der Ehrung des tschechischen Gelehrten Johann Amos Comenius zu seinem 300. Geburtstag lag bei den meisten Gedenkveranstaltungen bei der Darstellung von Leben, Werk und Wirken, der Bedeutung fĂŒr die Entwicklung der Lehrkunst, Didaktik, Unterrichtsmethodik, pĂ€dagogische Forderungen, Zielsetzungen und Verdienste, zumeist wurde die WĂŒrdigung von Person und Ideen des Comenius verbunden mit den zeitbezogenen Fragestellungen der Schulerziehung und den pĂ€dagogischen Bestrebungen der Gegenwart. Der Redakteur der die Zusammenfassung ĂŒber die Berichterstattung von den Comenius-Feiern in der Bayerischen Lehrerzeitung erarbeitet hat, beurteilt die Nachhaltigkeit der Gedenkveranstaltungen fĂŒr eine vertiefte BeschĂ€ftigung mit Leben und Werk von Comenius. „Bei mir und allen, die fĂŒr eine zeitgemĂ€ĂŸe Fortentwicklung der Schule in freiheitlichem Sinn begeistert sind, weckte derselbe fast wehmĂŒtige GefĂŒhle und lange wollte mir das Wort nicht aus dem Sinn: „Israel, siehe, wovon du gefallen bist.“ 14. In Summa: Die Feierlichkeiten waren sĂ€mtlich wohl gedungen und die Veranstalter und Mitwirkenden verdienen wĂ€rmsten Dank. Der Lehrerstand aber hat sich selbst geehrt, daß er dem unsterblichen Mann, der in seinen Werken fortlebt, den reich verdienten Tribut der Dankbarkeit zollte und einen unverwelklichen Lorbeer um seinen Stirne legte. Mögen die deutschen Lehrer, namentlich in schweren Zeiten, recht oft zu dem nie versiegenden Born echt pĂ€dagog. Weisheit und Wahrheit eines Comenius zurĂŒckkehren und sich von ihm den rechten Weg zeigen lassen, der in den Wirren des ParteigezĂ€nks nur zu leicht verloren wird!“ 15. Werner Korthaase erklĂ€rt die Bedeutung der Comenius-Feiern, als entscheidender Impuls fĂŒr die Comeniusforschung in Deutschland. „Zur Jubelfeier der 300sten Wiederkehr des Geburtstages des Praeceptor Mundi kamen MĂ€nner aus aller Welt zusammen, um fĂŒr die weiteste Verbreitung seiner Ideen zu sorgen. Es kam zu zahllosen Comenius-Feierlichkeiten: unkirchlichen und kirchlichen. Die Begeisterung wuchs ins Unermessliche. Schulbehörden ordneten Feiern an, und sogar das preußische Kultusministerium stellte Geld zur VerfĂŒgung, die Stadt Berlin ebenfalls. Auf Kreisschulkonferenzen wurde das Leben und Werk des Comenius Besprechungspunkt. Es lĂ€sst sich heute kaum noch feststellen, wie viele Feierstunden in Schulen und Lehranstalten damals stattfanden.“ 16.

ïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒ2. Die Festversammlung zum 300. Geburtstag von Johann Amos Comenius am 28. MĂ€rz 1892 in MĂŒnchen
Der Ablauf und die Gestaltung der Comenius-Feier in MĂŒnchen ist vor allem durch Zeitungsberichte und Archivdokumente im Stadtarchiv MĂŒnchen dokumentiert und kann im einzelnen nachvollzogen werden. Zu den Initiatoren und verantwortlich Mitwirkenden gehörten der MĂŒnchener Stadtschulrat Dr. Wilhelm Rohleder 17., der Dramaturg Ludwig Stark 18. und Gymnasialprofessor Karl Zettel. Dem Ausschuss zur Vorbereitung der Comeniusfeier 19. gehörten folgende bedeutende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, der Beamtenschaft und stĂ€dtischen Verwaltung, der UniversitĂ€t und Wissenschaft und des stĂ€dtischen Schulwesens und der Lehrerschaft an den Schulen in MĂŒnchen an, die zum Gelingen der Comenius-Feier im Festausschuss mitwirkten. Aus Anlass des 300. Geburtstages traf sich eine Festversammlung von Beamten, Wissenschaftlern, Schriftstellern, LehrkrĂ€ften am Montag, 28. MĂ€rz 1892 um 19. 00 Uhr im Saal des Katholischen Casino MĂŒnchen 20.. Die Comeniusfeier in MĂŒnchen war sehr gut ïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒvorbereitet und ein kultureller Höhepunkt in der Landeshauptstadt MĂŒnchen. Die ausfĂŒhrliche Berichterstattung in der Tageszeitung „MĂŒnchner Neueste Nachrichten“ trĂ€gt dazu bei, den Ablauf der Veranstaltung zu erfahren und einen Eindruck ĂŒber die Gestaltung des wirksam vorbereitete Festprogramm 21. zu erhalten.  „Die Comeniusfeier in MĂŒnchen. Ein sehr gewĂ€hlte Festversammlung von Beamten, Professoren, Gelehrten, Schriftstellern, SchulmĂ€nnern hatte sich am 28. MĂ€rz im Saale des Katholischen Casino 22. eingefunden, um eine wĂŒrdige Ehrung des vor dreihundert Jahren geborenen berĂŒhmten PĂ€dagogen Johannes Amos Comenius zu begehen, wie denn ja auch der Erinnerungstag an diesen hochverdienten Schulmann in vielen LĂ€ndern und StĂ€dten, ja selbst jenseits des Meeres gefeiert wird.  Die „MĂŒnchner Neuesten Nachrichten“ haben aus der Feder des Archivrathes Dr. Ludwig Keller in MĂŒnster i. W. eine ausfĂŒhrliche Schilderung von Comenius’ Leben und Wirken in den Nummern 92 und 98 veröffentlicht. (Die Red.) Als erhebende Einleitung erklang Franz Schuberts „Herr unser Gott!“, ein weihevoller Hymnus, den der Lehrergesangverein MĂŒnchen stimmungsvoll vortrug. Im Anschlusse hieran sprach Herr Dramaturg Ludwig Stark den von Professor Karl Bertel in edlen Versen gedichteten Prolog. Dieser war ein Ruhmeslied auf das mĂŒhenreiche Dasein und auf das segensvolle Wirken des Comenius.“23. Werner Korthaase fasst die zentralen Gedanken des thematischen Beitrags von Ludwig Keller, der einen thematischen Impuls fĂŒr die Comenius-Feier in MĂŒnchen darstellt, folgendermaßen zusammen. „In den ,MĂŒnchner Neuesten Nachrichten‘ erschien von Dr. Ludwig Keller, der soeben mit anderen die Comenius-Gesellschaft gegrĂŒndet hatte, ein umfangreicher Artikel, der zusĂ€tzlich in einem Separatabdruck als BroschĂŒre herausgebracht wurde. Keller versicherte, daß von einer,wiedererwachten Comenius-Forschung‘ auch fĂŒr ,das heutige Geistesleben‘ Anregungen zu ïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒerwarten seien, daß Comenius, ,dem aller Religions- und Racen-Haß fremd war‘, gerade jetzt eine ,wohltuende und herzerfreuende Erscheinung‘ genannt werden dĂŒrfe, weshalb sich unter ,lebhafter Teilnahme aller Nationen und Konfessionen‘ unter dem Namen Comenius-Gesellschaft eine wissenschaftliche Vereinigung konstituiert habe, die sich der Herausgabe seiner Schriften und der ,Fortsetzung des Werkes widmen‘ werde, dessen Bau er einst begonnen habe. Der Autor schloß mit dem Wunsch: ,Möge die Jahrhundertfeier, die in diesem Jahr in der ganzen Welt begangen werden wird, dem großen Mann zu den alten viele neue Freunde zufĂŒhren.‘“24.  „In MĂŒnchen hielt Wilhelm Rohmeder, der Stadtschulrat, die Festansprache: Es gĂ€be zweifellos Namen, die der Gesamtheit des deutschen Volkes ,theuerer und vertrauter‘ seien als der des Comenius, erklĂ€rte er, aber es gĂ€be wenige Personen von weltgeschichtliche Bedeutung, welche durch ihre Geistesrichtung und durch ihr Schicksal in solchem Maße allen gebildeten Völkern angehören, welche zugleich auch bei allen kirchlichen Richtungen noch heute so geachtet sind, wie dieser Apostel des Friedens…“  25.        „Nach dieser den Manen des Gefeierten dargebrachten poetischen Ehrung hielt Herr Stadtschulrath Dr. Rohmeder die 11/2-stĂŒndige Festrede. Sie behandelte in schwungvoller Darstellung das VerhĂ€ltnis des Comenius zu den wichtigsten Erziehungsfragen der Gegenwart. Als Sinnspruch war derselben das Wort Lessings aus seiner ,Erziehung des Menschengeschlechts‘ vorangestellt: ,Geh’ Deinen unmerklichen Schritt, ewige Vorsehung; nur laß mich dieser Unmerklichkeit wegen an Dir nicht verzweifeln!‘ Dieses Wort fand seinen Widerhall in den Worten des Comenius: ,Am Fortgang zu verzweifeln ist unrĂŒhmlich; denn hier wird die Sache der Menschheit getrieben und die Ehre des Allerhöchsten.‘ Auf diesem Grundton, dem Glauben an den endlichen Sieg des Wahren und des Guten, waren die weiteren AusfĂŒhrungen der Festrede aufgebaut. Aus dem Rahmen der Ă€ußeren LebensumstĂ€nde trat die Gestalt des Comenius greifbar und lebenswarm hervor. Die Darlegung der wichtigsten seiner ErziehungsgrundsĂ€tze gab Veranlassung, unsere heutigen Schul- und Erziehungseinrichtungen mit den idealen Forderungen des Comenius zu vergleichen. Pestalozzi und Fröbel stehen auf seinen Schultern. Comenius hat den Gedanken einer allgemeinen Volksschule zuerst ausgesprochen, und zwar zu einer Zeit, wo die DurchfĂŒhrung unmöglich war. Die Wahrheiten, welche MĂ€nner von der Art des Comenius ausstreuen, gehen nicht verloren. Sie wirken fort und werden ihrer Zeiten in Thaten sichtbar. Denn ,ein großes Muster weckt Nacheiferung und gibt dem Urtheil höhere Gesetze‘.“ 26.  Der Vortrag von Stadtschulrat Dr. Rohmeder zeigte die inhaltliche Zielsetzung und den thematischen Schwerpunkt der Comenius-Feier in MĂŒnchen auf. In der Festrede wurden Leben, Werk und Wirken von Johann Amos Comenius mit Bezugnahme auf die aktuellen Schul- und Erziehungsfragen der Gegenwart dargestellt. Die theoretischenAusfĂŒhrungen der eineinhalbstĂŒndigen Festrede wurden anschließend praktisch veranschaulicht in zwei verschiedenen bĂŒhnenmĂ€ĂŸigen Darstellungen zum Festprogramm. Auf der TheaterbĂŒhne wurden in einem dramaturgisch gestalteten „Lebenden Bild“ 27. um eine Comenius-Statue allegorische Figuren zu seiner Erziehungslehre und Bildungstheorie gezeigt.
ïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒâ€žNach der von lebhafter Zustimmung begleiteten Festrede erschien auf einer BĂŒhne ein von Herrn Maler Manuel sehr sinnreich gestelltes lebendes Bild. Um die BĂŒste des Comenius gruppierten sich in allegorischen Gestalten jene Dinge, welche der große Erzieher in seinem System vertrat: Religion, Muttersprache, Naturlehre u. Der schöne MĂ€nnerchor ,Meine Muttersprache‘ von E. S. Engelsberg war sehr passend gewĂ€hlt zu Ehren des Mannes, welcher die Muttersprache in den Kreis der UnterrichtsgegenstĂ€nde eingefĂŒhrt. Das Baryton-Solo wurde von Herrn Xaver Schmid hĂŒbsch gesungen.“ 28. Das „Lebende Bild“ 29. der Darstellung „Allegorischer Gestalten im System des Theologen, Philosophen und PĂ€dagogen Johann Amos Comenius“ diente zur Einstimmung auf das Festspiel.  Dabei wurden ausgewĂ€hlte Szenen aus der Schrift „Schola Ludus“ „Die Schule als Spiel“ 30.  als TheaterstĂŒck dargestellt. Jospeph Heigenmooser erklĂ€rt in seiner ErlĂ€uterung zum Lebenden Bild des Kunstmalers Max Manuel, fĂŒr die Teilnehmer der Comeniusfeier in MĂŒnchen die ZusammenhĂ€nge zum Leben und Wirken des tschechischen Gelehrten Johann Amos Comenius. „Die Darstellung, welche den Zweck verfolgt, die Bedeutung des Gefeierten zur Anschauung zu bringen, gliedert sich in drei Gruppen: eine allegorische Mittelgruppe und je eine rechts und links sich anschliesende Seitengruppe. Im Mittelgrunde erhebt sich, umgeben von Pflanzenschmuck, die lorbeerbekranzte BĂŒste des Comenius nach einem alten Orginalstich in lebenswahrer AusfĂŒhrung. Daran schliessen sich 8 allegorische Frauengestalten in griechischer Gewandung, welche die segensreiche Wirksamkeit des grosen Menschen und PĂ€dagogen nach ihren verschiedenen Richtungen darstellen. 1. Die Religion mit dem Symbol des Christentums, dem Kreuz, bezeichnet den aus seinen religiösen Schriften und seinem thatenreichen Leben sprechenden tiefreligiösen, wahrhaft christlichen Geist, sowie sein Bestreben, die verschiedenen Konfessionen unter dem Kreuze zu vereinigen. 2. Ein Genius stellt die Muttersprache dar, welcher er eine Stelle im Schulwesen errungen hat, und deutet die grosen Verdienste desselben um die Verbesserung des Unterrichtes in den Sprachen an. Die Gruppe von drei weiteren Figuren mit ihren entsprechenden Abzeichen versinnbildet die Naturwissenschaften: Geographie, Naturbeschreibung und Physik und druckt einerseits seine schriftstellerische Thatigkeit auf diesen Gebieten (die Physika sc.) anderseits aber die durch ihn mĂ€chtig geforderte Pflege derselben in den niederen und höheren Schulen aus. 6. Der Genius der PĂ€dagogik weist auf sein pĂ€dagogisches Hauptwerk, die didactica magna (Grose Unterrichtslehre) hin, durch welche besonders sein Ruhm als BegrĂŒnder der allgemeinen Volksschule und Vater der neueren Lehrkunst erwuchs. 7. Der Genius der Philosophie, allen anderen zugewendet, druckt seine pansophischen Bestrebungen aus, die auf eine encyklopĂ€dische Zusammenstellung des gesamten menschlichen Wissens hinausgingen. 8. Der Genius der Geschichte schreibt seinen Namen mit ehernem Griffel; nicht blos die Pflege dieser Wissenschaft in den Schulen ist sein verdienstliches Bestreben, sondern er selbst nimmt in der Geschichte der PĂ€dagogik fĂŒr ewige Zeiten einen Ehrenplatz ein. Da sein Hauptverdienst auf dem Gebiete des Erziehungs- und Unterrichtswesens liegt, wollte dies durch die beiden Seitengruppen dargestellt werden. Die Gruppe zur Linken vom Beschauer aus ist ein Bild aus dem ,Informatorium der Mutterschule‘. Die Erziehung der Kinder in den ersten 6 Jahren im Kreise der Familie unter der Leitung des Vaters und besonders der Mutter tritt uns hier in einer nach Gewandung und Auffassung dem 17. Jahrh. Entsprechenden Weise entgegen. An diese Gruppe schliest sich die Darstellung der Volksschule an, nach der Idee des Comenius, vertreten durch Kinder aus allen Standen, im Alter zwischen 6 und 12 Jahren. Ein Lehrer unterrichtet dieselben in ïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒder Muttersprache. WĂ€hrend durch diese beiden Szenen die Wichtigkeit der Familienerziehung und der Volksschule hervorgehoben wird, kommt in der Gruppe zur Rechten die Bedeutung des höheren Schulwesens zum Ausdruck. Dem entsprechend wird hier durch LateinschĂŒler in einer Szene veranschaulicht, wie sich die studierende Jugend an dem berĂŒhmten orbis pictus (Welt in Bildern) ergötzt und anderseits in das Studium der janua linguarum reserata aurea (die eröffnete goldene SprachenthĂŒr) – einem der damals verbreitesten Bucher – vertieft ist. Eine Gruppe von Akademikern, aus SchĂŒlern und berĂŒhmten Professoren (Alsted Theolog und Philosoph, sein Lehrer und Samuel Hartlieb Naturphilosoph, sein Freund) bestehend, beschĂ€ftigen sich mit philosophischen Erörterungen.“ 31.   „Die bĂŒhnenmĂ€ĂŸige Darstellung der ,Schola ludus‘, also der Schule als Spiel nach dem IV. Theil ,der Sprachenpforte dramatische Darstellung‘ von Comenius, arrangiert von Herrn L. Stark, wahr wohl die kulturgeschichtlich interessanteste Nummer im Festprogramm. Diese Spiel erlĂ€uterte in sehr wirksamen Szenen die Methode des Comenius, schnell, angenehm, leicht und grĂŒndlich zu lehren und zu lernen. Die Darsteller mit Herrn Stark wurden vom anscheinend begeisterten Publikum auf die BĂŒhne zurĂŒckgerufen. Peter Cornelius’ zart empfundenes, jubelndes Lied ,Liebe dir ergeb’ ich mich!‘ vom Lehrerinnen-Singchor und dem Lehrergesangverein unter Herrn Albin Sturms Leitung mit edlem Ausdruck vorgetragen machte den wĂŒrdigen Abschluß der Feier eines Mannes, welcher der Menschheit und ihrer Erziehung mit aller Liebe zugethan war.“ 32.

 

Die Comeniusfeier 1892 in MĂŒnchen

 

 

 

 

 

3. Die Festrede von Stadtschulrat Dr. Wilhelm Rohmeder bei der Comeniusfeier 1892 in MĂŒnchen

 

Im Rahmen der Comenius-Festversammlung hielt Stadtschulrat Dr. Wilhelm Rohmeder die Festrede „Johann Amos Comenius in seinem VerhĂ€ltnis zu den wichtigsten Schul- und Erziehungsfragen der Gegenwart“ im Saal des Katholischen Casino 33. zu MĂŒnchen am 28. MĂ€rz 1892.  Dr. Rohmeder begann seine Festrede mit einem Zitat von Gotthold Ephraim Lessing „,Geh deinen unmerklichen Schritt, ewige Vorsehung! Nur lass mich dieser Unmerklichkeit wegen an dir nicht verzweifeln! Lass mich auch dann an dir nicht verzweifeln, wenn selbst deine Schritte mir scheinen sollten, zurĂŒckzugehen! Du hast auf deinem ewigen Wege soviel mitzunehmen, so viele Seitenschritte zu thun!‘ So, hochverehrte Festversammlung, der Verfasser der ,Erziehung des Menschengeschlechts‘ 34. im 91. Abschnitte. Sicher dachte er nicht an den letzten Bischof der böhmischen BrĂŒder, als er diese Worte niederschrieb. Wenn ich aber dem Wirken des Mannes, dessen GedĂ€chtnis zu feiern wir heute uns hier versammelt haben, einen Sinnspruch voranstellen sollte, so wĂŒsste ich kaum einen passenderen. Und merkwĂŒrdig: so grundverschieden die Natur und die Geistesrichtung der ïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒbeiden MĂ€nner zu sein scheint und thatsĂ€chlich auch ist, so viele ĂŒbereinstimmende ZĂŒge ergeben sich bei tieferem Eindringen in ihr Wollen und Wirken und in die BeweggrĂŒnde ihres Thuns. Reine unentwegte Liebe zur Wahrheit bei dem einen, reine selbstlose Menschenliebe bei dem andern, erwachsen aus dem Boden inniger Liebe zu Gott und zur göttlichen Wahrheit!“ 35. Der Vergleich der Leitmotive von Lessing und Comenius stellt innerhalb der wissenschaftlichen Literatur einen eigenstĂ€ndigen Beitrag von Dr. Rohmeder dar, innerhalb der Bibliographie der deutschsprachigen Comeniusliteratur 36. findet sich dazu kein Angabe einer wissenschaftlichen Abhandlung mit einem Vergleich der beiden Lebenswerke. „Und wenn wir die ungleich liebenswĂŒrdigere Gestalt des Comenius auf ihrem Lebensgange begleiten von den Vorbergen der Westkarpaten zu den lieblichen ThĂ€lern des Rheins, aus den Schulstuben in Fulnek und Lissa zum Parlamentshause in London, von den Nord- und SĂŒdkĂŒsten der Ostsee ĂŒber Saros-Patak in Ungarn zurĂŒck zur ,Beherrscherin der Meere‘, wo er die mĂŒden Augen schließt: wir sehen ihn ĂŒberall geleitet von dem Glauben an den endlichen Sieg des Wahren und des Guten. Eine solche Persönlichkeit ist unserer rein menschlichen Teilnahme von vornherein sicher. Es gibt ja zweifellos Namen, die der Gesamtheit des deutschen Volkes teuerer und vertrauter sind! Aber es gibt wenig Namen von weltgeschichtlicher Bedeutung, welche durch ihre Geistesrichtung und durch ihre Schicksale in solchem Masse allen gebildeten Völkern angehören, welche zugleich auch bei allen kirchlichen Einrichtungen noch heute so geachtet sind, wie dieser Apostel des Friedens 37., von welchem ein neuerer katholischer Beurteiler sagt, dass seine religiösen Schriften denen der alten christlichen Heiligen zu vergleichen seien, die wir noch gegenwĂ€rtig bewundern, und von dem ein hochberĂŒhmtes Mitglied der „Gesellschaft Jesu“ 38. urteilt, dass er ,allen Christen zu liebe geschrieben habe.‘“39. Die Festrede stellt eine besondere Ehrung fĂŒr das Leben, Werk und Wirken des Johann Amos Comenius dar. Dr. Rohmeder versucht anhand den biographischen Lebensstationen von Comenius vor allem sein pĂ€dagogisches Wirken darzustellen. „Richtig ist: seine Muttersprache war nicht die unsrige. Aber sein Heimatland gehörte zum ,Heiligen Römischen Reich deutscher Nation‘, er hat zu den FĂŒssen deutscher Lehrer gesessen und er hat wahre und große Verdienste um unsere Muttersprache; er kannte und anerkannte die damaligen BemĂŒhungen hervorragender deutscher MĂ€nner um die Verbesserung des Erziehungswesen – ,dem deutschen Volke‘, so schrieb er, ,hat Gott in seiner Gnade MĂ€nner erweckt, welche die Morgenröte einer neuanbrechenden Zeit herauffĂŒhren‘;40. die Ziele seines Wirkens wurden am umfangreichsten in Deutschland erkannt und verwirklicht, sein eigenes Wirken, praktisches wie schriftstellerisches, hat ïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒder Hauptsache nach auf dem Boden des heutigen deutschen Reiches sich abgespielt, und deutsche MĂ€nner sind es vor allem, welche in der Gegenwart es sich angelegen sein, die noch vergrabenen GeistessschĂ€tze des Comenius zu heben und nutzbar zu machen. Die Frage des Volkstums aber hatte zu des Comenius Zeiten nicht die Bedeutung, die sie heute im Leben der Völker einnimmt. Nicht Volkstum und Sprache, sondern Fragen anderer, eben so tief liegender Art waren es, welche damals die abendlĂ€ndische Menschheit bewegten, die Geister einten oder trennten. Und nehmen wir es ja auch sonst fĂŒr uns in Anspruch, dass wir wahre menschliche GrĂ¶ĂŸe, unter welchem Volke immer sie in Erscheinung trete, in ihrer Bedeutung fĂŒr den Gesamtfortschritt und damit auch fĂŒr den Fortschritt des eigenen Volkes in geistiger und sittlicher Beziehung vorurteilslos anzuerkennen vermögen. So dĂŒrfte es denn wohl auch zur GenĂŒge gerechtfertig erscheinen, wenn wir am heutigen Tage, gleich vielen anderen StĂ€dten des deutschen Vaterlandes, die Erinnerung an die Geburt eines Mannes feierlich begehen, dem das deutsche Volk durch diejenige Seite seines Wirkens unendlich viele zu verdanken hat, die uns hier zusammenfĂŒhrt: das deutsche Schulwesen!“ 41. Zu den Äußerungen von Dr. Rohmeder ĂŒber die EinschĂ€tzung von Comenius, dessen Muttersprache tschechisch und nicht deutsch war, der aber in Deutschland ausgebildet wurde und sich als tschechischen PĂ€dagoge fĂŒr das deutsche Schulwesen erworben hat, bemerkt Werner Korthaase ĂŒber die allgemeine Ausrichtung der Dreihundertjahrfeiern in Deutschland „Die Feiern in Deutschland waren nicht wie in Böhmen und MĂ€hren patriotisch eingefĂ€rbt. Trotzdem zollten die Deutschen – wie eine Berliner Tageszeitung feststellte – ,dem großen Tschechen in diesen Tagen die meiste Anerkennung‘.“ 42. Ziel der Festrede von Dr. Rohmeder ist es, das Leben von Johann Amos Comenius den Teilnehmern der Festversammlung so darzustellen, dass die Vermittlung des Lebensschicksals bei den Zuhörern Teilnahme wecken und Aufmerksamkeit fĂŒr die Grundlagen seines edlen Streben fĂŒr die Bildung der Jugend und der Menschheit zu gewinnen. Dr. Rohmeder kennzeichnet die wichtige Erkenntnis von Comenius bei seiner beruflichen TĂ€tigkeit als Lehrer in Prerau, dass der Unterricht in den Sachen immer mit der Sprache verbunden werden soll. „Durch Lehren lernte er. Im tĂ€glichen Umgang mit den Kindern verschaffte er sich jenen tiefen Einblick in die Kindesnatur, welcher ihm in seinem ganzen spĂ€teren Leben von unermesslichem Vorteil war und worauf er spĂ€ter seine großen Erziehungsarbeiten grĂŒndete.“ 43.  In seiner Festrede schildert Dr. Rohmeder die leidvollen Erfahrungen des Lebens von Comenius als Lehrer und Geistlicher und seine BewĂ€ltigung aller Schwierigkeiten und PrĂŒfungen, sowie die Notwendigkeit, immer wieder von neuem anzufangen. „Hier ist nun auch der Ort, auf die pĂ€dagogischen Anschauungen des Comenius einzugehen. Sie zeigen, dass er seiner Zeit weit vorausgeeilt war und dass viele seiner Forderungen zur damaligen Zeit unausfĂŒhrbar waren, ja dass viele derselben heute noch unerfĂŒllt sind. Eine kurze Betrachtung seiner ErziehungsgrundsĂ€tze gibt somit zugleich Gelegenheit zur Beantwortung der Frage, welche Stellung Comenius zu den wichtigsten Schul- und Erziehungsfragen der Gegenwart einnimmt. Ein Grundgedanke zieht sich durch alle seine Schriften, durch all sein Thun: die BeglĂŒckung des Menschengeschlechts durch die Erziehung. Dieser Gedanke ist die Grundlage seines pĂ€dagogischen Systems. ,Die Liebe zu Gott‘, bekennt er, und der Wunsch, die öffentlichen und privaten VerhĂ€ltnisse der Menschen zu bessern, reizen mich, dass ich das, was mir ein geheimer Antrieb bestĂ€ndig an die Hand gibt, in stilles Schweigen einzuhĂŒllen nicht vermag.“ 44.  Dr. Rohmeder kennzeichnet den pĂ€dagogischen Grundgedanken des Comenius als „Liebe zu Gott und zum Menschen“ und ïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒbeschreibt den vierstufigen Aufbau der Bildung der Menschen, den Comenius in seiner „Großen Unterrichtslehre“ entwickelt. In seiner Festrede wĂŒrdigt Dr. Rohmeder den Erzieher der Jugend und PĂ€dagogen der Menschheit Johann Amos Comenius als Vordenker einer naturgemĂ€ĂŸen Erziehung. „In Comenius dagegen sehen wir den grossen VorkĂ€mpfer fĂŒr eine naturgemĂ€sse Jugend- und Volkserziehung. FĂŒr ihn war es eine selbstverstĂ€ndliche Wahrheit, dass die Natur uns ĂŒberall FĂŒhrerin sein mĂŒsse. Mit einer bewundernswerten psychologischen BegrĂŒndung gibt er im 27. Kapitel seiner ,Großen Unterrichtslehre‘ eine fesselnde Darlegung einer Gliederung des Unterrichtswesens. Der ganze Unterrichts- und Erziehungsplan des Comenius ist eben nach einheitlichen Grundgedanken aufgebaut: Erziehung und Unterricht sind durch alle Stufen von den gleichen GrundsĂ€tzen getragen. Deshalb sind auch die UnterrichtsgegenstĂ€nde auf allen 4 Stufen die gleichen – verschieden ist bloß der Umgang des zu Lehrenden, entsprechend der Stufe des Lebensalters und der vorausgegangenen, das Nachfolgende in konzentrischen Kreisen stets stĂŒtzenden Vorbereitung. ,Denn die UnterrichtsfĂ€cher sind nach den Gesetzen der natĂŒrlichen Methode nicht zu zerstĂŒcken,‘ sondern sie sind ,stets alle zugleich zu treiben, wie ja auch der Baum stets in seiner Ganzheit nach den einzelnen Teilen wĂ€chst‘. Deshalb ist bei ihm auch die Methode des Lehrens und des Erkennens auf allen Stufen die gleiche, und diese Methode beruht auf einer umfassenden, grĂŒndlichen Kenntnis des Menschenwesens und des jugendlichen Geistes. Auch die Unterrichtsmittel sind auf allen Stufen nach den gleichen psychologischen Grundgesetzen zu schaffen. So ist in der That Comenius der erste Systematiker der Erziehung und des Unterrichts geworden. In allen seinen VorschlĂ€gen hat er stets das Ganze der Menschenbildung im Auge. Einen grundsĂ€tzlichen Unterschied zwischen den Schulen der verschiedenen Stufen lĂ€sst er nicht zu“ 45. Dr. Rohmeder versucht die pĂ€dagogischen Grundfragen, die Comenius in seiner Erziehungslehre und Bildungstheorie behandelt, fĂŒr das gegenwĂ€rtige Schulsystem wirksam zu machen, in dem er die Problemlage der aktuellen Schul- und Erziehungsfragen darstellt. „Diese Grundgedanken, auf welchen Comenius seinen ganzen Schulorganismus aufbaute, sind so einleuchtend und in der Natur der Sache so tief begrĂŒndet, dass eine Einrichtung der Schulen nach diesen GrundsĂ€tzen sich schließlich – meint man – als etwas SelbstverstĂ€ndliches darstelle. […] Den Schuleinrichtungen der Gegenwart fehlt der einheitliche, verbindende Grundgedanke und darum auch der innere Zusammenhang. ,Unsere Lehrordnungen leiden ja nicht an Unwissenschaftlichkeit, sondern an unorganischer Aufschichtung des Wissensstoffes, an Mangel der didaktischen Gliederung. Unsern Unterricht drĂŒckt nicht die Kenntnislosigkeit der Lehrer, sondern die Abschließung des einzelnen von den Interessen des Nebenmannes und von den gemeinsamen Zielen der Schulen. Und die Abhilfe steht nicht bei den Fachwissenschaften, sondern allein bei der allgemeinen Bildungslehre,‘ 46. bei der allgemeinen Didaktik und PĂ€dagogik. In der That: dem von Comenius gezeichneten Bilde gegenĂŒber zeigen unsere gegenwĂ€rtigen Schuleinrichtungen ein Bild der WillkĂŒrlichkeit und der Naturwidrigkeit, das man umsonst mit dem beschönigenden Ausdrucke der ,Vielgestaltigkeit‘ zu bedecken sucht, und zwar zeigen sie dies in einem Grade, dass von einem ,Schulwesen‘ als einem einheitlichen organischen Ganzen kaum mehr gesprochen werden kann. Es ist das Bild eines Wirrsales, in welchem sich zurechtzufinden die Eltern eines sachkundigen FĂŒhrers bedĂŒrfen und hierbei noch oft genug sich schlecht beraten sehen.“ 47. In Bezug auf die AktualitĂ€t der Darstellung des Themas „Johann Amos Comenius in seinem VerhĂ€ltnis zu den wichtigsten Schul- und Erziehungsfragen der Gegenwart“ schildert Werner Korthase die schulpĂ€dagogische Situation im Jahr 1891 und macht damit auch die Bedeutung der Comenius-Feiern in Deutschland ïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒfĂŒr das deutsche Schulwesen deutlich. „FĂŒr die geschilderte rege Beteiligung an den deutschen Feiern gab es neben idealistischen auch standespolitische GrĂŒnde, die zumindest erwĂ€hnt werden mĂŒssen, bleibt doch sonst das Geschehen und die weitere Entwicklung unverstĂ€ndlich, denn es kam wĂ€hrend der letzten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts zu heftigen Auseinandersetzungen ĂŒber Verbesserungen im Schulwesen, die um 1892 an SchĂ€rfe nicht mehr zu ĂŒberbieten waren. Die Vertreter der Realgymnasien und Oberrealschulen versuchten das Ausbildungsmonopol der ,humanistischen Gymnasien‘ alten Stils zu brechen, und die Volksschullehrer forderten bessere Arbeitsbedingungen fĂŒr die Volksschulen. […] In diese Zeit erregter schulpolitischer KĂ€mpfe fiel der dreihundertste Geburtstag des BegrĂŒnders der neueren PĂ€dagogik, und es lag nahe, die eigene Sache mit der des berĂŒhmten Schulmannes zu verbinden, was nicht einmal falsch oder ,unhistorisch‘ war, denn man stritt ĂŒber Forderungen, die schon vor zweihundertfĂŒnfzig Jahren von ihm in der ,Didactica magna‘ geĂ€ußert worden waren, damit in den Schulen ,weniger gerĂ€uschvolles Treiben, Überdruß, vergebliche Arbeit, aber mehr Muße, Lust und Freude und grĂŒndlicher Fortschritt einkehre und das christliche Gemeinwesen ,weniger Finsternis, Verwirrung, Zwiespalt, mehr Licht, Ordnung, Frieden und Ruhe aufzuweisen‘ habe.“ 48.  Aus der Erörterungen der AktualitĂ€t der Ideen von Johann Amos Comenius zur Schulerziehung und zu den Erziehungsfragen der Gegenwart in der Festrede von Stadtschulrat Dr. Rohmeder, haben sich entscheidende pĂ€dagogische Konsequenzen fĂŒr das Bildungswesen, vor allem in Bezug auf die Erziehung und Bildung der weiblichen Jugend, ergeben, wie dies Werner Korthaase historisch nachweisen und belegen kann. „Die Comenius-Gesellschaft hatte Anteil daran, dass höhere MĂ€dchen-Schulen genehmigt wurden und dass die Gegner des UniversitĂ€tsstudiums von Frauen letztlich zurĂŒcksteckten. Die Satzungen des 1894 gegrĂŒndeten MĂŒnchener ,Vereins zur GrĂŒndung eines MĂ€dchen-Gymnasiums‘ wurden von Stadtschulrat Dr. Wilhelm Rohmeder, dem Festredner der MĂŒnchener Comenius-Feier von 1892, entworfen. Auch er war Mitglied der CG.“49. Dr. Rohmeder begrĂŒndet in seiner Festrede die Bedeutung des Gelehrten Johann Amos Comenius fĂŒr das 17. Jahrhundert. „Comenius war der einzige Mann seines Jahrhunderts,50 der die MĂ€ngel des bisherigen Schul- und Erziehungswesens klar erkannte und von seinem hohen Standpunkte aus die umfassenden VorschlĂ€ge ,zur BeglĂŒckung des Menschengeschlechts durch die Erziehung‘ machte. Stets hat er das Ganze der Menschenerziehung im Auge. Er ist der Vater der systematischen PĂ€dagogik im vollen Sinne des Wortes. Mehr noch: die Geschichte der PĂ€dagogik weiß keinen Zweiten zu nennen, der ein so wohldurchdachtes, umfassendes System der Erziehung und des Unterrichtes aufgestellt hĂ€tte. Alle SpĂ€tern stehen, bewusst oder unbewusst, auf des Comenius Schultern. Aus den skizzenhaften Andeutungen, die ich gegeben, mag geschlossen werden, was unsere heutigen Einrichtungen fĂŒr Volksbildung ihm alles verdanken – zugleich aber auch, wie er fĂŒr die vielen noch ungelösten Erziehungsfragen der Gegenwart als Wegweiser dienen kann.“ 50. In der eineinhalbstĂŒndigen Festrede zum Thema „Johann Amos Comenius in seinem VerhĂ€ltnis zu den wichtigsten Schul- und Erziehungsfragen der Gegenwart“ erörtert der MĂŒnchener Stadtschulrat Dr. Wilhelm Rohmeder die grundsĂ€tzliche Bedeutung der pĂ€dagogischen Ideen fĂŒr aktuelle Themen der Schulerziehung. Der erste Grundgedanke der in allen Schriften von Comenius enthalten ist und das Fundament seines pĂ€dagogischen Systems darstellt ist die Liebe zu Gott und der Wunsch, die öffentlichen und privaten VerhĂ€ltnisse der Menschen zu verbessern. Die erste Thematik der gegenwĂ€rtigen Schulerziehung ergibt sich nach Dr. Rohmeder aus der Folgerung, dass die deutschen SchulverhĂ€ltnisse der Gegenwart vom Grundgedanken der PĂ€dagogik von Comenius abweichen. Sie sind ja nicht das Ergebnis einer planmĂ€ĂŸig, nach pĂ€dagogischen Gesichtspunkten ïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒschaffenden organischen Entwicklung, sondern einer, oft durch Ă€ußere UmstĂ€nde, also durch ZufĂ€lligkeiten beeinflussten Gestaltung, welche als etwas SelbstverstĂ€ndliches und UnabĂ€nderliches hingenommen wird. Zweitens ist der ganze Unterrichts- und Erziehungsplan des Comenius ist nach einheitlichen Grundgedanken aufgebaut: Erziehung und Unterricht sind durch alle Stufen von den gleichen GrundsĂ€tzen getragen. Deshalb sind auch die UnterrichtsgegenstĂ€nde auf allen vier Stufen die gleichen – verschieden ist bloß der Umgang des zu Lehrenden, entsprechend der Stufe des Lebensalters und der vorausgegangenen, das Nachfolgende in konzentrischen Kreisen stets stĂŒtzenden Vorbereitung. Dr. Rohmeder erklĂ€rt als zweite Thematik der gegenwĂ€rtigen Schulerziehung, dass den Schuleinrichtungen der Gegenwart der einheitliche, verbindende Grundgedanke und darum auch der innere Zusammenhang fehlt. Drittens, ist das was ĂŒber die Wichtigkeit der Erziehung in den ersten 6 Lebensjahren sagt, ist unwiderleglich; und ebenso unwiderleglich werden die SchĂ€den dargelegt, welche fĂŒr die Wohlfahrt eines Volkes aus der GeringschĂ€tzung oder VernachlĂ€ssigung der Erziehungseinrichtungen fĂŒr die Kindheit sich ergeben. Die dritte Thematik der gegenwĂ€rtigen Schulerziehung besteht nach Dr. Rohmeder in der Tatsache, dass diese Äußerung von Comenius den zentralen Kern einer auch in der Gegenwart noch ungelöste Erziehungsfrage darstellt und damit zugleich in diejenige Seite der Frauenfrage einfĂŒhrt, denn die richtige Erziehung des Kindes, hat die richtige Erziehung der Mutter zur Voraussetzung. Wer Kinder erziehen will, muss selbst erzogen sein. Viertens beruht das ganze Erziehungssystem und die Erziehungsziele von Comenius auf christlicher Grundlage. Das letzte und höchste Ziel aller Erziehung ist ihm die Herstellung des Ebenbildes Gottes im Menschen. Deshalb mĂŒsse die gesamte Erziehung darauf gerichtet sein, „dass der Mensch der Dinge kundig, seiner selbst und der Dinge mĂ€chtig werde und auf Gott, die Quelle aller Dinge, sich und alles beziehe“. Dr. Rohmeder erklĂ€rt als vierte Thematik der gegenwĂ€rtigen Schulerziehung, dass die neuere PĂ€dagogik darauf abziele, dass die Erziehung eine intellektuelle, Ă€sthetische und moralisch-religiöse sein mĂŒsse. FĂŒnftens, ergibt sich aus diesem Ziel der Erziehung fĂŒr Comenius die Gleichstellung der Geschlechter, und zwar auf allen Stufen seines Schulorganismus. Dr. Rohmeder stellt als fĂŒnfte Thematik der gegenwĂ€rtigen Schulerziehung die Forderung auf, dass die weibliche Jugend das gleiche Recht der Teilnahme an der Erziehung und am geordneten Unterricht erhĂ€lt, nach dem Grundsatz der Gegenwart „Die Frau ist zu allem berechtigt, wozu sie befĂ€higt ist“. Sechstens, verbindet sich mit den Erziehungszielen von Comenius die Forderung, dass er die körperliche Ausbildung und ĂŒberhaupt die Körperpflege als einen wesentlichen Teil der Jugenderziehung und der Gesamtbildung betrachtet. Die sechste Thematik der gegenwĂ€rtigen Schulerziehung besteht nach Dr. Rohmeder darin, dass die Pflege der Gesundheit, der ErnĂ€hrung und der Übung des Körpers in den Begriff der Schule aufgenommen werden mĂŒssen. Er erklĂ€rt dass die Körpererziehung, soweit sie die geordneten Spiele der Jugend betrifft, in Deutschland noch in den allerersten AnfĂ€ngen der Verwirklichung steht, wĂ€hrend in England, dies schon fester Bestandteil der Volkserziehung geworden ist. Siebtens, fordert Comenius, dass nicht nur der Körper des Ganzes, sondern auch die einzelnen Glieder und Werkzeuge desselben der Ausbildung und der Übung bedĂŒrfen, besonders die Hand und das Auge. Zur siebten Thematik der gegenwĂ€rtigen Schulerziehung, weist Dr. Rohmeder nach, dass die Erziehung zur Arbeit durch Arbeit, zum Handeln durch Handeln als eine der wichtigsten erziehlichen Reformbestrebungen der Gegenwart auf dem Umweg ĂŒber Finnland und Skandinavien, nach Deutschland zurĂŒckgekommen iund hier zu neuer Belebung und Entwicklung gelangt ist. Achtens wird Comenius in seinem Erziehungssysteme von dem Grundgedanken geleitet wird, dass aller Unterricht naturgemĂ€ĂŸ sein muss. Die Ordnung der Schulen ist von der Natur zu entlehnen; „denn die Kunst vermag nichts, als die Natur nachzuahmen. Alles NatĂŒrliche geht von selbst.“ Deshalb beginnt fĂŒr ihn alle Wissenschaft mit der sinnlichen Wahrnehmung. Zuerst sind die Sinne, dann das GedĂ€chtnis, dann der Verstand und das Urteil zu ĂŒben. Die achte Thematik der gegenwĂ€rtigen Schulerziehung besteht nach Dr. Rohmeder darin, dass sich aus diesen ïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒGrundgedanken von Comenius alle Einzelforderungen ergeben, wie Comenius sie in einer Anzahl von Werken praktisch verwandt und in den Vorarbeiten zur großen Pansophie eingehend begrĂŒndet hat. Diese Ideen von Comenius stellen Fundgruben fĂŒr Gesetze der Unterrichtskunst, welche die moderne Didaktik zwar als richtig anerkannt, aber noch lange nicht alle ins Schulleben ĂŒbergefĂŒhrt hat, und so recht geeignet sind, eine „Anweisung zu bieten, wie die Lehrenden weniger lehren, die Lernenden aber leichter und mehr lernen können“.

 

4. Die Bedeutung der Comenius-Feiern im Jahr 1892 fĂŒr die Comeniusforschung in Deutschland
FĂŒr die Comeniusfoschung in Deutschland haben die Feiern zum 300. Geburtstag von Johann Amos Comenius am 28. MĂ€rz 1892 allgemein eine vertiefte BeschĂ€ftigung mit dem Leben und Wirken des tschechischen Gelehrten und eine intensivere Auseinandersetzung mit den Ideen und Zielsetzungen des Theologen, Philosophen und PĂ€dagogen Comenius bewirkt. Zum Beitrag der Comenius-Feiern fĂŒr die wissenschaftliche Erforschung der Biographie, des wissenschaftlichen Lebenswerks, vor allem der Erziehungslehre und Bildungstheorie berichtet Will Seymour Monroe im Jahr 1912 in seinem Aufsatz „Comenius and the Beginnings of Edcational Reform“ â€žĂŒber den bleibenden Einfluss des Comenius“ und die weltweite Rezeption seiner Ideen, die nach seiner EinschĂ€tzung vor allem durch die Comenius-Feiern zu seinem 300. Geburtstag maßgeblich gefördert und vertieft wurde. „A second recent manifestation of the permanence of the Moravian educator’s influence is the Comenius Society (Comenius-Gesellschaft), with headquarters in Germany, and numbering among its members most of the leaders in educational thought in the world. It was organized in 1891. […] The membership of the society, while overwhelmingly German, includes a considerable number from Austria-Hungary, Holland, Great-Britain, The United States, Russia, Sweden, Norway, Italy, Switzerland, France, Greece, Belgium and Denmark. The society inspired the numerous celebrations in commemoration of the three hundredth anniversary of the birth of Comenius (March 28, 1892). These celebrations, held at most of the educational centers in the Old World, and at a number of places in the New, revived the memory of Comenius, and brought his teachings to thousands of teacher who had known him before only as a name.“ 51.  „Eine zweite moderne Offenbarung der Fortdauer des Einflusses des MĂ€hrischen Erziehers ist die Comenius- Gesellschaft mit GeschĂ€ftssitz in Deutschland, die zu ihren Mitgliedern die meisten AnfĂŒhrer des Erziehungsgedankens in der Welt zĂ€hlt. Diese wurde im Jahr 1891 aufgebaut. […] Die Mitgliedschaft in der Gesellschaft, bestand ĂŒberwiegend aus Deutschen, schloß aber auch eine ansehnliche Zahl Mitglieder aus Österreich-Ungarn, Niederlande, Groß-Britannien, Vereinigte Staaten, Russland Schweden, Norwegen, Italien, Schweiz, Frankreich, Griechenland, Belgien und DĂ€nemark mit ein. Die Gesellschaft regte die unzĂ€hligen Feiern an, zur Erinnerung an den dreihundertsten Jahrestag der Geburt von Comenius (28. MĂ€rz 1892). Diese Feiern, die vor allem in den Zentren der Erziehung in der Alten Welt abgehalten wurden und auch in einer Anzahl an Orten in der Neuen Welt, belebten die Erinnerung an Comenius, und vermittelten seine Lehren an tausende Lehrer, die ihn zuvor nur mit Namen gekannt hatten.“ Am Beispiel der Comenius-Feier am 28. 3. 1892, die durch die Berichterstattung in den damaligen Medien der Tageszeitung in ihrem Ablauf dokumentiert ist und durch die im Druck vorhandene Festrede auch inhaltlich nachvollzogen werden kann, ist es möglich, die durch die Festversammlung zum dreihundertsten Geburtstag geförderten pĂ€dagogischen Initiativen, die anhaltende Begeisterung fĂŒr das Leben, Werk und Wirken und den vertieften Einsatz fĂŒr die Ideale von Johann Amos Comenius nachzuvollziehen und damit einen Beitrag fĂŒr das internationale VerstĂ€ndnis der inhaltlichen Zielsetzungen und thematischen Schwerpunkte der Comeniusforschung in Deutschland zu ermöglichen.

ïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒïżŒRÉSUMÉ

Oslava KomenskĂ©ho v Mnichově roku 1892 Na pƙíkladě oslavy KomenskĂ©ho v Mnichově 28. bƙezna 1892, kterĂĄ je dokumentovĂĄna ve zpravodajstvĂ­ tehdejĆĄĂ­ch mediĂ­ a prostƙednictvĂ­m tiskĆŻ tehdy pƙednesenĂœch slavnostnĂ­ch proslovĆŻ, mĆŻĆŸeme i obsahově sledovat, jak slavnostnĂ­ shromĂĄĆŸděnĂ­ ovlivnilo pedagogickĂ© iniciativy, kterĂ© byly inspirovĂĄny jeho ĆŸivotem, dĂ­lem a myĆĄlenkami. Touto studiĂ­ chceme pƙispět k pƙesnějĆĄĂ­mu vytĂœÄenĂ­ cĂ­lĆŻ a tĂ©mat komeniologickĂ©ho bĂĄdĂĄnĂ­ v Německu. ZprĂĄvy o KomenskĂ©ho slavnostech byly větĆĄinou otiĆĄtěny v mĂ­stnĂ­ch novinĂĄch, kterĂ© uveƙejnily i slavnostnĂ­ ƙeči. Iniciativa k oslavĂĄm 300. narozenin J. A. KomenskĂ©ho byla v roce 1892 podporovĂĄna pƙedevĆĄĂ­m učitelskĂœmi sbory, Ășstavy a zaƙízenĂ­mi pro vĂœchovu učitelĆŻ, seminĂĄrnĂ­mi ĆĄkolami, vĂœukovĂœmi a vyučovacĂ­mi Ășstavy, ĆĄkolskĂœmi Ășƙady, profesnĂ­mi organizacemi učitelstva a učitelskou jednotou. SlavnostnĂ­ ƙečnĂ­ci byli větĆĄinou ĆĄkolnĂ­ radovĂ©, vedoucĂ­ semináƙƯ a ƙeditelĂ© ĆĄkol. Pƙíprava slavnostnĂ­ch shromĂĄĆŸděnĂ­ a prĆŻběh oslav KomenskĂ©ho byly v reĆŸii mĂ­stnĂ­ch poƙadatelĆŻ. ZpravodajovĂ© v novinĂĄch poukazujĂ­ vedle zprĂĄv o nesčetnĂœch oslavĂĄch k 300. vĂœročí zvlĂĄĆĄtě na oslavu KomenskĂ©ho v Mnichově a ztotoĆŸĆˆujĂ­ se s vĂœrokem hodnotĂ­cĂ­m toto slavnostĂ­ shromĂĄĆŸděnĂ­: „zvlĂĄĆĄtě skvostnĂĄ zdĂĄ se bĂœt ona mnichovskĂĄ, kde ĆĄkolnĂ­ rada Dr. Rohmeder drĆŸel slavnostĂ­ ƙeč a ke zvelebenĂ­ slavnosti pƙispěly ĆŸivĂ© obrazy a pĂ­sně učitelskĂ©ho pěveckĂ©ho sboru a pěveckĂ©ho chĂłru“. Pro Ășčel slavnostĂ­ KomenskĂ©ho byly pƙipraveny divadelnĂ­ hry a dramatickĂĄ ztvĂĄrněnĂ­, kterĂ© měly pƙedstavit charakter KomenskĂ©ho zvlĂĄĆĄtnĂ­ a měly ukĂĄzat ĆŸivot, prĂĄci a pĆŻsobenĂ­ tohoto českĂ©ho učence. StÄ›ĆŸejnĂ­ bod pocty českĂ©mu učenci J. A. KomenskĂ©ho k jeho 300. narozeninĂĄm spočíval v mnohĂœch vzpomĂ­nkovĂœch slavnostech, v pƙedstavenĂ­ jeho ĆŸivota, prĂĄce a pĆŻsobnosti, vĂœznamu pro vĂœvoj učitelskĂœch metod, didaktiky, pedagogickĂœch postulĂĄtĆŻ, stanovenĂ­ cĂ­lĆŻ a zĂĄsluh; větĆĄinou bylo uctěnĂ­ osobnosti a myĆĄlenek KomenskĂ©ho spojeno s aktuĂĄlnĂ­mi otĂĄzkami vĂœchovy ĆŸĂĄkĆŻ a současnĂœch pedagogickĂœch snah.


1. Der letzte Bischof der böhmischen BrĂŒder. Ein Lebensbild von Dr. Ludwig Keller. MĂŒnchner Neueste Nachrichten. MĂŒnchen: Knorr & Hirth, 45. Jahrgang, Nr. 92, vom Freitag, 26. Februar 1892, Wissenschaftliche Rundschau, S. 1.

2. Siehe K o r t h a a s e,  Werner: From Czech patriot to citizen of the world: Johan Amos Comenius. In: Werner Korthaase – Sigurd Hauff – Andreas Fritsch (Hg.). Comenius und der Weltfriede. Comenius and World Peace. Berlin: Deutsche Comenius-Gesellschaft, 2005, S. 69-91.

3.  K o r t h a a s e, Werner: Die Berliner internationale Comenius-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft und Volkserziehung (1891–1934). Hg. Vom Comenius-Zentrum Berlin beim InterdisziplinĂ€ren Institut fĂŒr Wissenschaftsphilosophie und Humanontogenetik der Humboldt- UniversitĂ€t zu Berlin. Berlin: 1993. Hefte zur Lebensbildung (4), S. 19.

4. Aufruf zur Feier des 300jÀhrigen Geburtstages des Johann Amos Comenius am 28. MÀrz 1892, in: Monatshefte der Comenius-Gesellschaft. Leipzig: R. VoigtlÀnder 1. Band 1892, S. 3-4.

5. K o r t h a a s e,  Werner: Die alte und neue Comenius-Gesellschaft. Stifter-Jahrbuch, Hg. Adalbert Stifter Verein e. V. MĂŒnchen, Benediktbeuern: Rieß, Neue Folge 8, 1994, S. 59.

6. Marta B e č k o v ĂĄ. Erkenntnis und Nachhall der Persönlichkeit und des Werkes Jan Amos KomenskĂœs in den Böhmischen LĂ€ndern und in der Slowakei in den Jahren 1892 – 1918. (Zur Entwicklung der tschechischen und slowakischen Komeniologie). Acta Comeniana 9 (XXXIII) 1991, S. 77-78.

7. Comenius-Feier. In: Bayerische Lehrerzeitung. Hg. Bayerischer Volksschullehrerverein. NĂŒrnberg: TĂŒmmel, 26. Jahrgang Nr. 14, 1. April, 1892, S. 191-192.

8. Comenius-Feier. In: Bayerische Lehrerzeitung, 26. Jahrgang Nr. 14, 1. April, 1892, S. 191.

9. Wilhelm R o h m e d e r : Johann Amos Comenius in seinem VerhĂ€ltnis zu den wichtigsten Schul- und Erziehungsfragen der Gegenwart. Festrede, gehalten bei der Feier des 300. Geburtstages des Johann Amos Comenius im Saale des katholischen Casinos zu MĂŒnchen am 28. MĂ€rz 1892. Bielefeld: Helmich, 1892 (Sammlung pĂ€dagogischer VortrĂ€ge 5. Band, 8. Heft). 

10. Comenius-Feier. In: Bayerische Lehrerzeitung, 26. Jahrgang Nr. 14, 1. April, 1892, S. 191.

11. F r i t z e , Georg: Amos Comenius. Festspiel zum 300jÀhrigen Jubelfeier von Amos Comenius. Frankfurt an der Oder: Harnecker, 1892.  

12. R i s c h, Paul: Comenius in Lissa. Festspiel in drei AufzĂŒgen. Zur Feier des 300jĂ€hrigen Geburtstages gedichtet. Musik von Richard Schumacher. AufgefĂŒhrt am 31. MĂ€rz 1892 im Saale der Philharmonie in Berlin. Berlin: LĂŒder, 1892.  

13. S t a r k, Ludwig: BĂŒhnenmĂ€ĂŸige Darstellung der „Schola ludus“, nach dem IV. Theil „Der Sprachenpforte in dramatischer Darstellung“ von Comenius, arrangiert von Herrn L. Stark. AuffĂŒhrung bei der Comenius-Gedenkveranstaltung am 28. MĂ€rz 1892 im Saal des Katholischen Casinos in MĂŒnchen.

14. Offenbarung 2,5. „Bedenke also, aus welcher Höhe du gefallen bist! Kehre um und tue die ersten Werke! Sonst komme ich dir und werde deinen Leuchter wegrĂŒcken von seinem Platz, wenn du nicht umkehrst.“ 

15. Comenius-Feier. In: Bayerische Lehrerzeitung, 26. Jahrgang Nr. 14, 1. April, 1892, S. 191-192.

16.  K o r t h a a s e, Werner: Die Comeniusrezeption in Deutschland. Protokoll ĂŒber die wissenschaftliche Comeniustagung „TĂŒren nach Europa“. Herrnhut: 1992, S. 136-150.

17. Stadtschulrat Dr. Wilhelm Rohmeder. (* 8. 6. 1843 Heidenheim bei Gunzenhausen – † 4. 10. 1930 MĂŒnchen) Biographie siehe:  K ĂŒ b e r t ,  Hans: Stadtschulrat a. D. Dr. phil. et med. Wilhelm Rohmeder. Ein Lebensbild. MĂŒnchener Lehrerzeitung. Nachrichtenblatt fĂŒr stĂ€dtisches Schulwesen. Organ des MĂŒnchener Lehrervereins e.V. MĂŒnchen: MĂŒnchener Druck- und Verlagshaus 16. Jg. Nr. 1/Januar 1931, S. 2-9.

18. S t a r k,  Ludwig: Kunst und Welt. Eine Auswahl musikalischer und touristischer TagebuchblĂ€tter von Dr. Ludwig Stark, Professor am Konservatorium fĂŒr Musik in Stuttgart. Mit dem Portrait des Verfassers. Stuttgart: Adolf Bonz & Comp., 1884, m. 1 Portr., VI S., 1 Bl., 315 S.

19. Stadtarchiv MĂŒnchen, Jahrbuch der königl. Haupt- u. Residenzstadt MĂŒnchen 1892 von Ernst von Destouches 3. Band. Stadt-Chronik Bestand 1892, Band 3/1, Signatur: lfd. Nr. 165, Dokument Nr. 91, Einladung zur Teilnahme an der Comenius-Feier in MĂŒnchen. Ruckseite des Dokuments: Der Ausschuss zur Vorbereitung der Comeniusfeier.Dr. Rudolf Assmus, Hauptlehrer an der stadtischen Handelsschule; Dr. Joseph Bach, kgl. UniversitĂ€tsprofessor, Dekan der theol. FakultĂ€t; Wilhelm Beer, Oberlehrer; Philipp Brunner, rechtskund. Magistratsrat, Vorsitzender des MĂŒnchener Kindergartenvereins; Dr. Wilhelm von Christ, Rector magnificus der kgl. Ludwigs-Maximilians-UniversitĂ€t und königl. UniversitĂ€tsprofessor; Dr. Johann Gerstenecker, kgl. Gymnasialprofessor; Max Greisl, Oberlehrer, Vorsitzender des Lehrergesangvereins MĂŒnchen; Dr. Sigmund Gunther, kgl. Professor an der Technischen Hochschule MĂŒnchen; Friedrich Hall, Lehrer, Vorsitzender des Turnlehrervereins MĂŒnchen; Joseph Heigenmooser, kgl. Direktor an der kgl. Kreislehrerinnenbildungsanstalt fĂŒr Oberbayern; Max Manuel, Kunstmaler; Dr. Andreas Muller, kgl. Rektor der kgl. Ludwigs- Kreisrealschule; Dr. Wilhelm Rohmeder, Stadtschulrat, kgl. Stadtschulenkommissar und Rektor der stĂ€dtischen Handelsschule; Friedrich Seyboth, Fabrikant und bĂŒrgerl. Magistratsrat; Adolf Sickenberger, kgl. Rektor der kgl. Luitpold-Kreisrealschule, Vorsitzender des Vereins technischer Lehrer in Bayern; Dr. Leonhard Sohncke, kgl. Professor an der Technischen Hochschule, Vorsitzender des Vereins fur Schulreform; Ludwig Stark, Dramaturg; Franz Stolzl, Lehrer, Vorsitzender des Bezirkslehrervereins MĂŒnchen-Stadt; Albin Sturm, Oberlehrer, Direktor des Lehrergesangvereins MĂŒnchen; Helene Sumper, Lehrerin, Vorsitzende des Lehrerinnenvereins MĂŒnchen; Dr. J. Ritter von Widenmayer, I. rechtskund. Burgermeister, Vorsitzender des MĂŒnchener Volksbildungsvereins und Dr. Karl Zettel, kgl. Gymnasialprofessor a.D.

20. Das „Katholisches Casino“ wurde im Jahr 1866 von dem Politiker Ludwig von Arco-Zinneberg in MĂŒnchen, mit der Zielsetzung zur „Mobilisierung des katholischen Lagers“ und zur Vertretung von katholischen Positionen in politischen und sozialen Tagesfragen, gegrĂŒndet. Nach diesem Vorbild entstanden in SĂŒddeutschland und Österreich Ă€hnliche Institutionen, nachgewiesen ist die GrĂŒndung eines „Katholischen Casino“ 1868 in Rosenheim, 1871 in Aibling. Das „Katholischen Casino“ in MĂŒnchen wurde von dem Professor der Medizin Johann Nepomuk Ringseis von 1866 bis 1867 geleitet. Von 1867 bis 1882 war der Politiker Ludwig von Arco-Zinneberg Vorstand des „Katholischen Casino“ MĂŒnchen. Sein Nachfolger war von 1882 bis 1899 Konrad Graf von Preysing. Siehe auch: Die VorstĂ€nde des Katholischen Kasinos MĂŒnchen 1866 – 1924, in: Katholisches Kasino MĂŒnchen (a.B.) Barerstraße 7. JubilĂ€umsjahr 1926. Mit Anhang: Mitglieder-Verzeichnis nach dem Stande von Ende Dezember 1926. MĂŒnchen: Druck der Buchdrucker-LehrwerkstĂ€tte der Salesianer 1926, S. 13.

21. Stadtarchiv MĂŒnchen, Stadt-Chronik Bestand 1892, Band 3/1, Signatur: lfd. Nr. 165, Dokument Nr. 93, Programm zur Feier des 300. Geburtstages des Johann Amos Comenius. 4 Seiten, mit Ablauf der Comenius-Feier, Liedtexten, Festprolog von Dr. Karl Zettel. MĂŒnchen: Hof- Buchdruckerei E. Muhlthaler, 1892.

22. Der Saal des Katholischen Casinos befand sich in der Barerstraße 7 in MĂŒnchen. Zur geistigen Ausrichtung des katholischen Kasinos siehe folgendes Zitat. „Der politische Katholizismus in Bayern prĂ€sentierte sich um das Jahr 1866 noch ziemlich konturenlos und desorganisiert. Die katholisch-politischen Vereine von 1848 (Verein fĂŒr konstitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit, Piusvereine) waren in der Reaktionszeit eingeschlafen. Der neue Typus der Katholischen Kasinos, wie sie ab 1862 in Baden unter dem Eindruck des dortigen frĂŒhen Kulturkampfs entstanden, bĂŒrgerte sich im bayerischen Katholizismus, solange er selbst von solchen Auseinandersetzungen verschont blieb, nur zögernd ein. Bis 1866 gab es Kasinos nur in den StĂ€dten Passau (gegrĂŒndet 1864), EichstĂ€tt (1865), Amberg (,Concordia‘, 1865) und MĂŒnchen (,Hofgartenkasino‘, 1866), dazu einige katholische Lesevereine, vornehmlich in Unterfranken. Es handelte sich um gesellige, nichtpolitische Honoratiorenvereine, die der ,Hebung des katholischen Bewußtseins‘ dienen wollten, dadurch aber auch der Politisierung der Katholiken im konservativen, antiliberalen Sinne vorarbeiteten.“ BrandmĂŒller, Walter (Hg.) Handbuch der Bayerischen Kirchengeschichte Bd. 3: Von der SĂ€kularisation bis zur Gegenwart. Vom Reichsdeputationshauptschluss bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil. St. Ottilien: EOS, 1991, S. 210-211.

23. Die Comeniusfeier in MĂŒnchen. In: MĂŒnchner Neueste Nachrichten. MĂŒnchen: Knorr & Hirth, 45. Jahrgang, Nr. 144, vom Mittwoch, 30. MĂ€rz 1892, S. 3.

24. K o r t h a a s e,  Werner: Die alte und neue Comenius-Gesellschaft. Stifter-Jahrbuch Hg. Adalbert Stifter Verein e. V. MĂŒnchen, Benediktbeuern: Rieß, Neue Folge 8, 1994, S. 59.

25.   K o r t h a a s e, Werner: Die Berliner internationale Comenius-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft und Volkserziehung (1891–1934), op. cit., S. 16.

26. Die Comeniusfeier in MĂŒnchen, op. cit., S. 3.

27. „Lebende Bilder, die Darstellung von Szenen aus bibl. Geschichte, antiker Sage oder neuerer Geschichte, schließlich auch von bekannten Werken der Malerei und Plastik oder anspielungsreicher Allegorien durch lebende, aber stumm und bewegungslos verharrende Personen auf e. BĂŒhne, z.T. mit Musikuntermalung…“ Lebende Bilder. In: W i l p e r t, Gero von: Sachwörterbuch der Literatur. Stuttgart: Alfred Kröner 7. verb. u. erw. Aufl. 1989, S. 501.

28. Die Comeniusfeier in MĂŒnchen, op. cit., S. 3. 

29. Stadtarchiv MĂŒnchen, Stadt-Chronik Bestand 1892, Band 3/1, Signatur: lfd. Nr. 165, Dokument Nr. 94, H e i g e n m o o s e r, Joseph: ErlĂ€uterung zum Lebenden Bild. Erdacht und erstellt von Herrn Kunstmaler Manuel. MĂŒnchen: Buchdruckerei J. Fuller, 1892.

30. C o m e n i u s, Johann Amos: Schola Ludus. Die Schule als Spiel. Ins Deutsche ĂŒbertragen von Wilhelm Bötticher. Langensalza: Hermann Beyer, 1888 (Bibliothek pĂ€dagogischer Klassiker. Hg. von Mann, Friedrich).

31. H e i g e n m o o s e r, Joseph: ErlĂ€uterung zum Lebenden Bild. Erdacht und erstellt von Herrn Kunstmaler Manuel. MĂŒnchen: Buchdruckerei J. Fuller, 1892. Enthalten in: Stadtarchiv MĂŒnchen, Stadt-Chronik Bestand 1892, Band 3/1, Signatur: lfd. Nr. 165, Dokument Nr. 94.

32. Die Comeniusfeier in MĂŒnchen, op. cit., S. 3.

33. Saal des Katholischen Casino: Adressbuch von MĂŒnchen fĂŒr das Jahr 1892 Hg. kgl. Polizei- Direktion. Hierzu das Handels- und Gewerbe-Adressbuch hg. von der Handels- und Gewerbekammer fĂŒr Oberbayern. Hergestellt nach dem Stande vom 1. November 1891. MĂŒnchen: Knorr & Hirth, 1892, III. Theil, Hof- und Staatsstellen, Staats- Reichs- und Gemeinde-Behörden. Burreau- und GeschĂ€fts-LokalitĂ€ten, S. 59 „Vereine […] Casino der Isarvorstadt Thalkirchnerstr. 76. – Casino (kath.) St. Peter Rindermarkt 5 (Gasthaus drei Rosen). – Casino (kath.) Barerstr. 7. – Casino (kath.) f.d. Vorst. Au Entenbachstr. 169. – Casino (kath.) der Maxvorstadt Augustenstr. 41. – Casino (kath.) Giesing Bergstraße 16. – Casino (kath.), Giesing, Sterbekassa des, Bergstraße 16, Vorstand Joh. Widmann, GĂ€rtner Tegernseelandstraße 95. – Casino (kath.) Schwabing Werneckstr. 2.“

34. L e s s i n g,  Gotthold Ephraim: Die Erziehung des Menschengeschlechts. Berlin: 1780. Neudruck MĂŒnchen: dtv 1997 (dtv Bibliothek der Erstausgaben Bd. 2630).

35. R o h m e d e r, Wilhelm: Johann Amos Comenius in seinem VerhÀltnis zu den wichtigsten Schul- und Erziehungsfragen der Gegenwart, op. cit., S. 1. 

36. M i c h e l, Gerhard (Hg.). Comenius-Bibliographie. Deutschsprachige Titel 1870–1999. 1. Aufl. Sankt Augustin: Academia, 2000. (Schriften zur Comeniusforschung. BegrĂŒndet von Klaus Schaller, Bd. 27).

37. Vgl. Hugo H o l t s c h. Comenius der Apostel des Friedens. Langensalza: Hermann Beyer und Söhne, 1892, 1 Bl., 28 S. (PĂ€dagogisches Magazin; H. 7). Siehe auch: Hugo H o l t s c h. Comenius der Apostel des Friedens (Zum 28. MĂ€rz 1892). Deutsche BlĂ€tter fĂŒr erziehenden Unterricht. Langensalza, 19. Jg. 1892, S. 89-92 und S. 97-102.

38. Der Jesuit Johann Michael Sailer (*17. 11. 1751 Aresing bei Schrobenhausen – † 20. 5. 1832 Regensburg) hat sich aus innerer Verwandtschaft zu dem universalen christlichen PĂ€dagogen Johann Amos Comenius intensiv beschĂ€ftigt. In Sailers Erziehungslehre finden sich viele Parallelen zu dem fundamentalen Werk der „Großen Unterrichtslehre“ von Comenius. S a i l e r, Johann Michael: Über Erziehung fĂŒr Erzieher. Besorgt von Eugen S c h o e l e n. Paderborn: Schöningh, 1961. (Schöninghs Sammlung PĂ€dagogischer Schriften. Quellen zur Geschichte der PĂ€dagogik), S. 24.

39. Wilhelm R o h m e d e r. Johann Amos Comenius in seinem VerhÀltnis zu den wichtigsten Schul- und Erziehungsfragen der Gegenwart, op. cit., S. 1-2.

40. C o m e n i u s, Johann Amos: Große Didaktik. Übersetzt und herausgegeben von Andreas Flitner. 3. Aufl. DĂŒsseldorf, MĂŒnchen: Helmut KĂŒpper vormals Georg Bondi, 1966. Gruß an den Leser, S. 12-13. 

41. R o h m e d e r, Wilhelm: Johann Amos Comenius in seinem VerhÀltnis zu den wichtigsten Schul- und Erziehungsfragen der Gegenwart, op. cit., S. 2. 

42. K o r t h a a s e, Werner: Die Berliner internationale Comenius-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft und Volkserziehung (1891–1934), op. cit., S. 17.

43. R o h m e d e r, Wilhelm: Johann Amos Comenius in seinem VerhÀltnis zu den wichtigsten Schul- und Erziehungsfragen der Gegenwart, op. cit., S. 5-6.

44. C o m e n i u s, Johann Amos: Große Didaktik, op. cit., 33. Kapitel, Erfordernisse zur praktischen Anwendung dieser Universalmethode, S. 217.

45. R o h m e d e r, Wilhelm: Johann Amos Comenius in seinem VerhÀltnis zu den wichtigsten Schul- und Erziehungsfragen der Gegenwart, op. cit., S. 8-9.

46. W i l l m a n n, Otto: Didaktik als Bildungslehre nach ihren Beziehungen zur Sozialforschung und zur Geschichte der Bildung. Bd. I, Braunschweig: Viehweg, 1882, S. 88.

47. R o h m e d e r, Wilhelm: Johann Amos Comenius in seinem VerhÀltnis zu den wichtigsten Schul- und Erziehungsfragen der Gegenwart, op. cit., S. 9. 

48. K o r t h a a s e, Werner: Die Berliner internationale Comenius-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft und Volkserziehung (1891–1934), op. cit., S. 17-18.

49. Ibid., S. 36. 

50. R o h m e d e r, Wilhelm: Johann Amos Comenius in seinem VerhĂ€ltnis zu den wichtigsten SchulïżŒund Erziehungsfragen der Gegenwart, op. cit., S. 20-21. 

51. M o n r o e, Will Seymour: Comenius and the Beginnings of Educational Reform. New York: Charles Sribners’ Sons, 1912, S. 170-171.